INTIMRASUR

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Schopenhauer bemerkte einst: Die Rasur ist der Beweis höherer Zivilisation. Natürlich hat er damit die Männer gemeint. Und immer standen sie vor der Frage: »Soll ich mich jetzt rasieren oder lieber die Zeit dafür nutzen, die Welt zu retten.«  Heute bestimmen Frauen, Mode und Aussehen unser Leben. Gemeinschaftsduscher, Saunabesucher ebenso wie Swinger, sie wissen Bescheid. Sie haben es alle schon einmal gesehen, wenn nicht, sogar schon einmal selbst Hand oder Klinge angelegt. 
Man braucht keine repräsentative Umfrage, die Sache ist trendy, wie etwa der Big Mac bei den Kleinen. Gut, gut, ich kann die Sache ein wenig präzisieren und behaupte, bei den unter 40-Jährigen ist die Do-it-yourself-Methode epidemisch. In der Klasse U 30 sowieso. Mann und Frau spricht zwar selten darüber- zumindest in der Öffentlichkeit nicht, aber tut es umso häufiger. Es gilt also aufzudecken, was in der Hose abgeht. Die Rede ist von der Schamhaar-Rasur.

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Bei den Damen, so scheint es, gehört sie bereits seit längerem zum Kosmetik-Repertoire. Wenn der Ladyshave eingestöpselt und Achseln wie Beine enthaart werden, dann wird auf dem Weg von oben nach unten mit dem kleinen brummenden Ding der Einfachheit halber gleich mal durchrasiert. Man kann darüber spekulieren, ob Ästhetik, Hygiene oder Trend die Frau von Welt zur Radikal-Enthaarung antreibt. Geschmacksache – könnte man sagen. Erregend finden es die einen, für andere hat es eher den Touch von Kinderpornographie.

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Zwischenzeitlich haben auch die Männer nachgezogen, besser gesagt nachrasiert. Den Schniedel gänzlich frei zu scheren ist „en vogue“ und begeistern kann sich darüber auch Frau, lassen doch die neuen Ansichten bessere Vergleichsmöglichkeiten zu. Noch vor wenigen Jahren schlich sich mancher Papagallo in Ermangelung männlicher Attribute wie ein dunkler Geselle des Abends zum Perückenmacher und ließ sich ein Brust-Toupet verpassen, heute entledigt er sich schnöde jeden Bewuchses.

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Eines ist sicher, der Hygienefaktor alleine kann’s nicht sein, wenn sich alle Welt unterm Gürtel glattrasiert. Sicher, wer sich enthaart, wird sich wohl auch waschen, womit es – so hofft jede Frau -, auch der letzten Filzlaus an den juckreizenden Kragen geht. Sei es wie es ist, immer mehr körperbewusste Zeitgenossen enthaaren sich. Die Werbe-Industrie ist aufmerksam geworden und hat argumentativ braingestormt. Schließlich gilt es, dem Werkzeugkasten für Enthaarung auf die Sprünge zu helfen.
Meiner Erfahrung nach lieben es die Frauen, wenn Mann frisch gewaschen, glatt rasiert und mit wohlriechendem Rasierwasser zum ersten Date erscheint. Immerhin ist Rasur und gepflegtes Äußeres auch Ausdruck einer gewissen Wertschätzung. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Intimrasierer mit heruntergelassener Hose zur Verabredung erscheinen kann, nur um zu beweisen, dass er sich umfassend Mühe gegeben hat. Insofern ist die Intimrasur in diesem frühen Stadium des Kennenlernens obsolet und macht überdies einen schlechten Eindruck. Aber ich will nicht abschweifen.

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Man könne, so die Werbung, wie seinerzeit Lance Armstrong, schneller Radfahren oder wie unser aller Kampfschwimmerin Franzi von Almsik die 200 Meter ohne störende Widerstände in kürzerer Zeit durchkraulen. Selbst Schürfwunden sollen angeblich besser heilen, wenn man völlig haarfrei ist. Nun kann ich mich nicht erinnern, jemals Abschürfungen an meinem zweitbesten Stück erlitten zu haben, ganz zu schweigen, dass mir das pelzbefreite Genital beim Fahrradfahren irgendwelche Vorteile gebracht hätte. Gewiss, der Sonnenschutz lässt sich geschmeidiger auftragen, dennoch ist es mir an den heimischen Stränden noch nicht aufgefallen, dass Damen nahtlose Bräune im Schritt anstreben.

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Bei aller Diskussion um dieses sensible Thema spielt meiner Meinung nach die Sorge um körperliche Unversehrtheit eine nicht unwesentliche Rolle. Immerhin besteht, Klingenrasur vorausgesetzt, latente Verletzungsgefahr. Und da so mancher Mann anatomisch gesehen puristisch ausgestattet ist, könnte er bei all dem üppig aufgetragenen Rasierschaum leicht den Überblick verlieren und eine Kleinigkeit übersehen. Auch wenn der Hersteller geschärfter Klingen weltweit behauptet – Gillette sei das Beste am Mann, hege ich berechtigte Zweifel.

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Nun gut, militante Intimrasierer schrecken vor keiner Gefahr zurück. Während sich die Damen seit Jahr und Tag auf ein breites Hilfsmittel-Sortiment wie Pinzette, Wachs, Pflaster, Cremes oder Shaver verlassen, greift der Mann todesmutig zu Rasiermesser. Er ist so sehr darauf fixiert, dass er bei allem Arbeitsseifer zwischen dem Gemächt, jene in der Nase und an den Ohren vergisst. Und die sind wahrlich kein Augenschmaus. Wie dem auch sei, die Entfernung des zarten Pelzes in der Hose dürfte kaum Relevanz haben, den Luftwiderstand beim Hochleistungssport zu verringern. Ob es beim Beischlaf zur Leistungssteigerung führt, bleibt allerdings fraglich.

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Bei den meisten konservativen Frauen ist die Rasur ohnehin nicht das zentrale Thema. Da gibt es im Eheleben durchaus auch die einen oder anderen Reibungspunkte oder Missverständnisse. Doch auch hier scheinen sich motivatorisch-emotionale Trendwenden durchzusetzen. Insbesondere dann, wenn der Haussegen schief hängt. Reagieren Frauen beispielsweise aggressiv wegen kleiner Fehltritte oder anderer Bagatellen ihrer Männer, braucht es keine Klinge. Sie sprechen in so scharfem Ton, dass man sich mit ihren Worten rasieren könnte. Es ist also anzuraten, das Gespräch hinterher mit After-Shave-Atmosphäre ein wenig zu glätten, bevor sich die Frauen noch schärferer Waffen besinnen. Sollte sich der Streit nicht beigelegt und die Gattin urplötzlich sich eine neue Frisur zugelegt und unseren Nassrasierer für ihre Beinrasur missbraucht haben, so ist das in der Regel ein untrügliches Zeichen für Gefahr in Verzug. Dehnen die Damen mit der Klinge jedoch die Haarbeseitigung auf weitere Einzugsgebiete aus, dürfen wir davon ausgehen, dass es vorbei ist mit unseren Exklusivrechten.

Aber es gibt ökonomische Argumente, die etwas für sich haben. Wirtschaftlich gesehen gefährdet die Intimrasur manch zartes Aufschwung-Pflänzchen. Denn kaum hatten sich findige Gründer einer Ich-AG mit einem Schamhaar-Friseur-Salon niedergelassen, schwappte die Ganz-Ab-Welle des kreativen Heimwerkers über ihn hinweg und machte ihm das Geschäft kaputt. Vielleicht kann er sich noch retten, wenn er seinen Salon als Hot-Dog-Bude untervermietet.

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Doch halt. Neusten Meldungen nach haben sich in Deutschlands Großstädten Coiffeure auf kunstvolle Damenrasuren spezialisiert. Ähnlich wie bei der Bearbeitung eines englischen Rasens wird gestutzt, gekämmt, vertikutiert, epiliert und tiefgründig belüftet. Inbrünstig fräsen Damenschrittkünstler, erfahren und meisterbebrieft, Ornamente in Lilien-, Herz- und Tannenform ins Schamhaar. Mit meisterlicher Fingerfertigkeit gestalten sie bewucherte Venushügel und erschaffen mit leichter Hand wahre Kunstwerke. Aufs Düngen wird freilich verzichtet, es wird hautschonend gekremt.
Ich bin gespannt, wann die nächste Modewelle auf uns zurollt. Dauergewellte Löwenmähne im Höschen oder sportliche Zöpfchen im Tanga! Haarsprays, Haarlack und Schaumfestiger bringen die Intim-Frisur in Form, ohne zu verkleben. Auch wenn Männer von ihrem besten Stück reden und damit das Teil in ihrer Hose meinen, mein bestes Stück war schon immer der Kopf und mit dem gehe ich zu meinem Friseur um die Ecke. Der Haarschnitt 13 Euro und die Hose lasse ich an!

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An die jungen Hüpfer 

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Hört genau zu, Ihr zungengepiercten Technohopper mit dem Arschgeweih über dem Steißbein:
Wir End-Dreißiger bis Anfang-Fünfziger haben sie live erlebt: die Geburt des Synthesizers und den wahren Soundtrack der 70er, der von Bands wie Depeche Mode, Cure und Yazoo geschrieben wurde.
Wir haben noch mit Midischleifen und Oszillographen gekämpft!

Wir haben Euren “Tekkno” erfunden, bei uns nannte sich das aber noch Wave und war tatsächlich Musik. Wir konnten durchtanzen, ohne uns bunte Pillen einzuwerfen zu müssen, um es zu ertragen. Unsere einzige Droge hieß BlueCuracão auf Sekt.
Wir mußten noch keine Angst haben, das uns Tina Turner mit Seniorenoberschenkelhalsbruch von der Bühne purzelt. Wir haben Madonna noch mit festen Brüsten und ohne Baby-Pause gekannt, Ihr Nasen!
Joschka Fischer trug Jeans und Turnschuhe. Echte Punker hatten Uhu in den Haaren und kein “L’Oreal”. Bei uns haben sich keine Neonazis mit Türken geschlagen, sondern Punks mit Mods, Mods mit Poppern, Popper mit Rockern und alle gemeinsam gegen die Polizei.
Bei uns gab es noch Mofas, Mokicks und 80er bei denen durchgängig die Betriebserlaubnis erloschen war, denn das Wort “frisieren” hatte damals noch seine eigentliche Bedeutung, was ihr kahlgeschorenen Pfeifen nie verstehen werdet. Und wer einen Führerschein hatte, fuhr als erstes Käfer oder einen alten BMW, bei dem Dellen von Individualismus zeugten, ihr Smart-Popel.
Wir erinnern uns noch an Terroristenfahndungsplakate, auf denen hin und wieder ein Gesicht liebevoll mit Kuli von einem Staatsbediensteten durchgestrichen wurde.
Die Bundeswehr machte noch Spaß, wir kannten ja die Richtung, aus der der Feind kommt.
Sex war sicher und Motorsport tödlich. Heute ist es genau anders herum.
Ein Tattoo hatte wirklich nur jemand, der ein halbes Jahr in Indien oder Thailand war. Bei uns rannte nicht jede Tippse schnell noch ins “LetzteTatoo-Studio vor der Autobahn”, um sich im Alcopops-Brand chinesische Zeichen auf den Nacken pieksen zu lassen, die wahrscheinlich nichts anderes bedeuten als “Wer das liest ist doof”.
Die Rapper kamen noch aus dem echten New Yorker Ghetto und nicht aus der Schweiz.
Zu unserer Zeit fielen Break-Dancer auf den Fussgängerzonen noch hin und wieder richtig auf die Fresse und Peter Maffay wurde beim Stones-Konzert noch ordentlich von der Bühne gepfiffen.

Wir hatten noch die Qual der Wahl zwischen Pop, Rock, Metal und Italo-Disco und mußten nicht den wöchentlich ändernden Cross-over Trends nachjapsen.

Wir hatten noch Plattenspieler (auf 33″ und 45″) und richtig geile Plattencover, auf denen man die Namen der MUSIKER (und nicht der Programmierer) ohne Lupe erkennen konnte und die tatsächlich Kunst waren – keine Tempotaschentuch großen, einfarbigen Booklets auf denen gerade noch “nice price” lesbar ist.
Genau die gleichen Texte, die heute “Rosenstolz”, “Juli”und “Silbermond” singen, hörte man jeden Samstag in der ZDF-Hitparade von Bernd Clüver, Christian Anders und Cindy & Bert.
Für uns war eine LP etwas Heiliges, das gepflegt und geliebt werden mußte- und keine CD-Plastik-Wegwerfware, die so robust ist, daß man sie durchaus auch als Bierglasuntersetzer verwenden kann. Bei uns erkannte jeder sein Eigentum noch an den individuellen Kratzern.
Wir haben kein Big-Brother geschaut sondern “Formel Eins”, wo es eine ganze fette Stunde wirklich gute Musikvideos zu sehen gab, wir hatten kein MTV mit degenerierten Klingelton-Werbespots und eingebildeten VJ-Flaschen nötig.
Wir haben uns “Magnum” und “Simon & Simon” reingezogen, haben uns die Sakkoärmel hinauf geschoben und ließen uns die Haare seitlich ins Gesicht fallen – ohne diese beknackten, umgedrehten Baseballmützen oder Wollhauben.
In unseren Hosen konnte man noch sehen, ob eine(r) einen Hintern hatte,heute hängt der *** ja bei jedem von Euch in der Kniekehle der ach so tollen Adidas-Jogginghose (die WIR übrigens nur im Sportunterricht angezogen haben). Man konnte erkennen ob jemand “männlich” oder “weiblich”war.

Heute verschlabbert alles unter kunstvoll vergammelter Bekleidung.

Wir waren stolz auf unsere weißen Socken und trugen Slipper mit einem Pfennigstück in der Schuh-Zunge und keine Plateau-Sohlen-Schuhe, die früher bei Klump-Füßen verschrieben wurden.
Und weil ihr gerade im Leistungskurs für Informatik sitzt: die AC/DC Einritzungen auf den Tischen sind von UNS – und es geschieht Euch nur recht, wenn ihr glaubt, daß die Dinger aus dem Physiksaal kommen, wo irgendein findiger Schüler seinerzeit die Abkürzung für “Gleichstrom/Wechselstrom”in die Bank gemeisselt hat.
Ach ja, hiermit entschuldige ich mich, auch im Namen meiner Altersgenossen für Modern Talking.
Das haben wir wirklich nicht gewollt …

(gefunden im Netz) 

Narr

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Wer glaubt, dass nach 12 Jahren Zeit 

der Lüge und Schein-Heiligkeit,

es dann im 13. passiert, 

dass Wahrheit urplötzlich regiert …

Der ist, das sag ich klipp und klar, 

nichts anderes, als ein armer Narr.