Einfach der Reihe nach

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Zugegeben: Über Werbung in Illustrierten lese ich meistens hinweg. Es mangelt mir diesbezüglich einfach an Interesse. Doch beim Umblättern im Wartezimmer einer Arztpraxis bin ich neulich auf zwei ganzseitige Anzeigen gestoßen, die irgendeine Redaktion mit Sinn für Humor oder aufgrund fachlicher Ignoranz gegenüber dem Layout einander gegenübergestellt hatte. „Süße Versuchung“ lautete der Titel eines reichhaltigen Rezepts für eine Schokoladentorte, die mit einem passenden Bildmotiv die Geschmacksnerven des Betrachters in Vorfreude versetzte. Auf der anderen Seite lockte ein Turbo-Diät-Mittel mit sportlich-schlanken Menschen unter der Überschrift: „Tschüß Winterspeck“. Was denn nun – keine Schokotorte und stattdessen schlank dank Pillen in den Frühling? Schade eigentlich, das Rezept des Backwerks ist auch für den häuslichen Gelegenheitsbäcker gar nicht so schwer, und die mächtige Schoko-Torte sieht wirklich lecker aus. Vielleicht sollte man dem Turbo-Diät-Mittel die Chance geben, seine Leistungsfähigkeit unter Extrembedingungen zu beweisen, und die Anzeigenseiten der Reihe nach ausprobieren …

Und ich habe das beides mal kombiniert!

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Kein Wolf in der Stadt

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Wölfe sorgen auch in Haren für Angst und Schrecken. Ein Harener war in der Stadt zusammen mit seiner Ehefrau spazieren, als sie aufschrie: „Ein Wolf“. Es stand ein großes Tier an einer Hausecke, blickte zum Paar herüber und lief auf die beiden zu. Fellfarbe, der Fang, der Körperbau, unwillkürlich musste man da an einen Wolf denken. Die Sensation wäre perfekt gewesen, eine Wolfssichtung mitten in Haren, wenn nicht ein Mann um die Ecke gekommen wäre und wenn man die Leine früher gesehen hätte, die vom Hals des grauen Deutschen Schäferhundes zu seiner Hand führte. Der Mann grinste, denn wer kann denn nicht einen grauen Schäferhund von einem Wolf unterscheiden?

Mucke zum Muckefuck

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Dieser Tage lauschte ich unfreiwillig der Unterhaltung zweier Mittdreißiger, denen offenbar sehr am Kaffeegenuss gelegen ist. Aus diesem Gespräch zweier leidenschaftlicher Liebhaber des schwarzen Wachmachers filterte ich eine Erkenntnis heraus. Nämlich dass Fernsehwerbung auch nach Jahrzehnten kein kalter Kaffee sein muss. Denn als die Rede auf einschlägige Marken kam, hatte ich im Löffelumdrehen wieder die sagenhaften TV-Spots der Achtzigerjahre vor Augen. Da stößt Klausjürgen Wussow seufzend im Moor mit Torfstechern an, wird die adrette Schwiegertochter unterm Weihnachtsbaum generationsübergreifend für ihr Aufgussgetränk gefeiert, flötet die glückliche Großmutter über die Kuchentafel ihrer lachend herbeigeradelten Familie zu: „Der Kaffee ist fertig!“ Nicht mehr aus dem Ohr geht mir jetzt Volker Lechtenbrink, der einst seine Schlagerschnulze „Ich mag“ in „korngesunden Landkaffee“ tunkte – und damit die Mucke zum Muckefucke lieferte.

Suche 2.0

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Ein wenig leid tat der kleine, pelzige Kerl mir ja doch. Da hatte das kleine, junge Hündchen endlich einmal den rechten Moment abgepasst und sich, auf Abenteuerreise begeben – und keine fünf Minuten wusste es das ganze Dorf. Denn das  Hündchen hatte es zur feinen Hundedame gezogen. Dessen Frauchen fotografierte den schmachtenden Hundejungen kurzerhand und stellte das Bild samt Suchaufruf in eine im Dorf gut vernetzte WhatsApp-Gruppe. In Sekundentakt rappelte es auch auf meinem Handy: Fix und rege wurde da gemutmaßt, wem denn das Fellknäul gehöre und die Nummern möglicher Besitzer ausgetauscht. „Das nennt sich wohl Hundesuche 2.0″, meinte ich und und legte ein Leckerli für den Fall bereit, dass dem Hündchen nochmals die Flucht gelingt.

Ein- und auslaufen

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Heinz Erhard, bekannter deutscher Humorist und Wirtsinnverdreher, hätte seine Freude an dem gehabt, was mein Arbeitskollege gestern machte. Im Kreis der andren sorgte er gleich zweimal für Heiterkeit, indem er das Wort „laufen“ anders interpretierte, als es eigentlich gemeint war. In der Frühstückspause las er in der Zeitung. Auf der Sportseite ging es um Kinder, die an der Hand von Bundesligaspielen ins Stadion einlaufen. Auf der Unterschrift zum dazugehörigen Foto war von „Einlaufkinder“ die Rede. Das wäre doch schade, wenn die Kinder einlaufen und immer kleiner werden, sagte er grinsend und dachte dabei wohl an den Film „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft„. Kurz darauf ging der Kollege in die Kaffeeküche, um sich ein leckeres Heißgetränk zu holen. Er begegnete dort nicht schlecht staunend einen anderen Kollegen mit einem Waschlappen in der Hand. Der sagte, es dauere noch ein kurzen Moment, er müsse wischen, der Kaffee wäre ausgelaufen. Darauf der Witzbold: „Kein Wunder. Die Kaffeemaschine war ja auch ein Auslaufmodell.“
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Kompliziert statt simpel

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Der Liedermacher Reinhard Mey hat sich einst über die deutsche Bürokratie lustig gemacht. „Antrag auf Erstellung eines Antragformulars“ (http://youtu.be/60cmsLJ–G8) hieß sein entsprechendes Lied. Daran erinnert fühle ich mich jetzt ein wenig, als ich die Geschichte von meinem Nachbarn und seinem neuen Auto hörte. Das alte ab- und das neue anmelden – eigentlich ganz einfach, und in der  Vergangenheit klappt das auch immer gut. Nun hat mein Nachbar aber den Fehler gemacht und stellt per eMail noch eine ganz simple Zusatzfrage. Diese hätte die Versicherung schlicht und schnell mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten können. Stattdessen bekam mein Nachbar als Antwort ein mehrseitiges PDF-Dokument. Im Anschreiben stand sinngemäß: „Das, was Sie wissen wollen, steht da irgendwo drin. Suchen Sie sich das bitte selber raus.“ Damit nicht genug. Einen Tag später findet mein Nachbar noch ein DIN-A4-Umschlag mit mehreren Broschüren der Versicherung zum Thema „Das Auto richtig versichern“ im Briefkasten. Sein Anti-Bürokratie-Lied hat Reinhard Mey 1977 geschrieben. Aktuell ist es heute noch.

Kaufen statt Waschen

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In einer illustren Geburtstagsrunde wurde irgendwann das Kaufverhalten der Teenies zum Gesprächsthema. „Meine Tochter kauft gerne im Primark ein“, erzählt die Gastgeberin. „Wenn wir in Bremen sind, ist der Besuch dort Pflichtprogramm“, ergänzte der Ehemann. „Vor lauter Tüten kann man meine Tochter bei der Rückfahrt gar nicht mehr sehen“, fügte eine andere hinzu. „Aber die Sachen“, so der fragende Blick einer weiteren Mutter, „die halten doch gar nicht so lange, oder?“ „Macht doch nichts“, erklärte der Ehemann vom Geburtstagskind „dann spart man sich das Waschen!“